Archiv für den Monat: Januar 2013

Bauer Banse

Ich bin in Solingen im Bergischen Land auf einem kleinen Bauernhof, den mein Vater im Voll- und später noch einige Zeit im Nebenerwerb betrieb, aufgewachsen. Wir hatten ein oder zwei Schweine, Hühner, Enten und zwei Kühe mit Namen Witte und Röschen. Die wurden gemolken, die Milch wurde aus dem Melkeimer durch ein Sieb in eine große Milchkanne gegossen und diese wurde zwecks Kühlung in ein mit Wasser gefülltes Becken gehängt, bis sie dann vom Molkereiwagen abgeholt wurde.

Die Milch schmeckte richtig lecker. Wenn man sie aufkochte und dann wieder erkalten ließ, bildete sich eine Haut mit einer Fettschicht – köstlich! (ich weiß, viele verziehen bei dieser Vorstellung angewidert das Gesicht, aber das war einfach lecker)

Dann wurden die Kühe – und auch die anderen Tiere – nach und nach abgeschafft und aus dem Nebenerwerbs- wurde ein Keinerwerbs-Bauernhof. Lediglich ein großer Garten blieb und ein paar Hühner. Milch wurde fortan im Geschäft gekauft. Das war so um 1970 herum. Die Erinnerung an den natürlichen Milchgeschmack verblasste mehr und mehr und mehr. Bis zum Jahr 2012!

Mittlerweile 17 Jahre in Hannover lebend hatte sich zu meiner Freude seit ca. 3 Jahren ein Bauernmarkt etabliert, der jeden Freitag auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofes stattfindet. Es gibt dort Gemüsebauern, einen Bäcker, einen Rinderzüchter und -metzger, einen Schweinemetzger und diverse andere Anbieter. 2012 nun kam ein weiterer Marktwagen hinzu. „Bauer Banse“ stand da zu lesen und in der Auslage standen, soweit ich das sehen konnte, Milch, Buttermilch, Jogurt, Quark und Butter. Na toll. Warum sollte ich meine Milch nun auf dem Markt kaufen? Milch ist Milch, und die von Bärenmarke schmeckt doch ganz anständig. Auch der Jogurt von Müller ist nicht verkehrt. Und Kerrygold-Butter ist wirklich fein. Da ich meinen wöchentlichen Gemüsevorrat und meine Wurst- und Fleischvorräte – jedenfalls teilweise – auf dem Bauernmarkt kaufe, habe ich ohnehin genug zu tragen, da musste es ja jetzt nicht auch noch Milch sein.

Dann habe ich – zur Erdbeerzeit – neben frischen Erdbeeren eine Dose Jogurt bei Bauer Banse gekauft. Als ich den zu Hause probierte, staunte ich nicht schlecht. Der war richtig lecker! Daraufhin habe ich dann am nächsten Markttag zum Testen einmal die ganze Palette gekauft: Vollmiilch, Jogurt, Quark, Sahne, Butter. WOW. Superlecker. Zum ersten Mal seit der Aufgabe unseres kleinen Bauernhofes schmeckte die Milch wieder wie Milch. Es ist erstaunlich, wie sehr sich ein Geschmack im Gedächtnis einprägen kann. Lange hatte ich nicht mehr so was Leckeres gehabt. Die Milch ist besonders, wirklich. Sie ist zwar pasteurisiert (was in Deutschland Pflicht ist), aber schonend! Und außerdem ist sie nicht homogenisiert. Daher bildet sich eine wunderschöne Rahmschicht auf der Milch und geschmacklich ist sie ein echtes Highlight.

Praktisch auch: Die Milch wird nicht schlecht. Sie wird sauer und man hat prima Dickmilch. Gleiches gilt für die Sahne: sie wird zu Creme fraiche. Butter? Erste klasse, endlich mal wieder eine Butter, die in der Pfanne nicht spritzt, weil sie zu viel Wasser beinhaltet.

Fazit: Wer immer in Hannover oder Umgebung lebt, muss unbedingt freitags zum Bauernmarkt vor dem Bahnhof und dort bei Bauer Banse seine Milchwaren kaufen. Lecker, gesund, natürlich.

Wer mehr zu Bauer Banse erfahren möchte, kann sich hier informieren: www.bauerbanse.de.

Übrigens NEIN, ich werde für meinen positiven Beitrag nicht geschmiert, den schreibe ich aus tiefster Überzeugung. Weg mit den Industrieprodukten. Geht mal wieder auf den Bauernmarkt!

 

Essen, Fleischeslust und Krieg

Ich esse Fleisch. Natürlich esse ich aber auch Gemüse, Salat und Obst. So hat es die Natur vorgesehen. Dafür hat sie mir scharfe Schneidezähne zum Abbeißen, spitze Eckzähne zum Reißen und Halten und klobige Backenzähne zum Kauen und Mahlen gegeben. Ich sehe keinen Grund darin, nur einen Teil der Zähne zu benutzen, weil ich eine bestimmte Nahrung verschmähe, die Natur wird sich was dabei gedacht haben. Abgesehen davon benötigt mein Organismus allerzei Zeugs, das er letztlich aus einer ausgewogenen Ernährung erhält, und ausgewogen heißt in diesem Zusammenhang tatsächlich „von allem etwas“.

Mir scheint, das Thema „Ernährung“ hat echtes Potential zum Glaubenskrieg. Veganer, Vegetarier in Ihrer vielfältigen Ausprägung (ovo lacto Vegetarier, Puddingvegetarier, Frutarier, Pescetarier, etc. etc.) und Fleischfresser benehmen sich in Diskussion oft ähnlich engstirnig und militant wie viele Vertreter der Religionen untereinander. Toleranz scheint mehr und mehr zu verkommen, allerdings gilt das gleiche auch für Augenmaß. Ich habe kürzlich auf Facebook eine Diskussion verfolgt, bei der ich am Ende dachte, es herrscht der dritte Weltkrieg.

Angestoßen worden war die Diskussion von den Machern der Zeitschrift BEEF! (-> ja, die lese ich) und im Handumdrehen hatten sich Fleischfresser und Vegetarier derart in den Haaren, dass ich am Verstand dieser Menschen – beider Fraktionen – ernsthaft zweifelte. Ein Gewitter von Hetze und Hasstiraden folgte dem nächsten. Vernünftige Argumente? Kaum eine Spur davon. Alles wurde sofort mehr oder weniger „persönlich“. Und Diskussionen solcher Art sind leider bei diesem Thema keineswegs die Ausnahme. Dabei wäre es so viel sinnvoller, wenn sich alle auf das Wesentliche konzentrieren und an einem Strang ziehen würden. Letztlich geht es doch um Respekt und Würde im Umgang mit der Natur und den Tieren.

Wenn jemand für sich entscheidet, kein Fleisch zu essen, so kann er das machen. Wenn ich für mich entscheide, dass ich ein Huhn schlachte, um es zu essen, so ist das genau so wenig verwerflich. Wichtig ist doch eher, wie das Huhn bis zu diesem Zeitpunkt leben konnte. Unter freiem Himmel, mit der Möglichkeit, nach Würmern zu scharren oder Gras zu picken? Oder zusammengepfercht mit Tausenden von anderen Hühnern in einem zu engen Stall und ohne jemals Tageslicht gesehen zu haben, vollgestopft mit Antibiotika? Hier muss man doch ansetzen. Und hier unterscheidet sich der Mensch vom Tier: Der Löwe wird weiterhin die Antilope stellen, sie totbeißen und fressen (übrigens ohne sich vorher ordnungsgemäß davon zu überzeugen, dass sie wirklich tot ist), aber er hält sie nicht in einer Massentierhaltung und bis zum Zeitpunkt des Einschlags der Reißzähne in den Nacken des Opfers hatte die Antilope wahrscheinlich ein angenehmes Leben. Warum können wir unseren Tieren nicht auch zugestehen, angenehm und „artgerecht“ zu leben?

Jedem klar denkenden Menschen sollte bewusst sein, das Fressen und Gefressen werden im wahrsten Sinne des Wortes  natürlich ist. Das „wie“ ist das Entscheidende. Aber statt hierüber nachzudenken, stürzen sich alle Fraktionen lieber immer wieder in den selben Krieg der Worte mit immer wieder den selben lahmen Argumenten, Schmähungen und ignoranten Selbstgefälligkeiten.

Warum sind Menschen so? Warum muss immer der eine den anderen belehren und bekehren, statt sich auf einen tragfähigen und belastbaren Konsens zu einigen? Gibt es nur noch Volldeppen da draußen? Bricht Euch allen ein Zacken aus der Krone, wenn Ihr respektvoll mit Eurer Umwelt (Mensch UND Tier!) umgeht? Kann man nicht auch Andersdenkende akzeptieren? Langsam fühle ich mich von „Taliban“ jeglicher Couleur umgeben, jeder danach trachtend, mich entweder zu bekehren oder umzubringen. JA, ich ESSE Tiere und zweimal JA , mir missfällt absolut, wie wir Menschen mit Tieren umgehen. HIER gilt es, Lösungen zu finden. FRESSEN und GEFRESSEN WERDEN ist pure Natur, Massentierhaltung und das Kilo Schweinenacken für 2,49 EUR ist widerwärtig!