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Essen, Fleischeslust und Krieg

Ich esse Fleisch. Natürlich esse ich aber auch Gemüse, Salat und Obst. So hat es die Natur vorgesehen. Dafür hat sie mir scharfe Schneidezähne zum Abbeißen, spitze Eckzähne zum Reißen und Halten und klobige Backenzähne zum Kauen und Mahlen gegeben. Ich sehe keinen Grund darin, nur einen Teil der Zähne zu benutzen, weil ich eine bestimmte Nahrung verschmähe, die Natur wird sich was dabei gedacht haben. Abgesehen davon benötigt mein Organismus allerzei Zeugs, das er letztlich aus einer ausgewogenen Ernährung erhält, und ausgewogen heißt in diesem Zusammenhang tatsächlich „von allem etwas“.

Mir scheint, das Thema „Ernährung“ hat echtes Potential zum Glaubenskrieg. Veganer, Vegetarier in Ihrer vielfältigen Ausprägung (ovo lacto Vegetarier, Puddingvegetarier, Frutarier, Pescetarier, etc. etc.) und Fleischfresser benehmen sich in Diskussion oft ähnlich engstirnig und militant wie viele Vertreter der Religionen untereinander. Toleranz scheint mehr und mehr zu verkommen, allerdings gilt das gleiche auch für Augenmaß. Ich habe kürzlich auf Facebook eine Diskussion verfolgt, bei der ich am Ende dachte, es herrscht der dritte Weltkrieg.

Angestoßen worden war die Diskussion von den Machern der Zeitschrift BEEF! (-> ja, die lese ich) und im Handumdrehen hatten sich Fleischfresser und Vegetarier derart in den Haaren, dass ich am Verstand dieser Menschen – beider Fraktionen – ernsthaft zweifelte. Ein Gewitter von Hetze und Hasstiraden folgte dem nächsten. Vernünftige Argumente? Kaum eine Spur davon. Alles wurde sofort mehr oder weniger „persönlich“. Und Diskussionen solcher Art sind leider bei diesem Thema keineswegs die Ausnahme. Dabei wäre es so viel sinnvoller, wenn sich alle auf das Wesentliche konzentrieren und an einem Strang ziehen würden. Letztlich geht es doch um Respekt und Würde im Umgang mit der Natur und den Tieren.

Wenn jemand für sich entscheidet, kein Fleisch zu essen, so kann er das machen. Wenn ich für mich entscheide, dass ich ein Huhn schlachte, um es zu essen, so ist das genau so wenig verwerflich. Wichtig ist doch eher, wie das Huhn bis zu diesem Zeitpunkt leben konnte. Unter freiem Himmel, mit der Möglichkeit, nach Würmern zu scharren oder Gras zu picken? Oder zusammengepfercht mit Tausenden von anderen Hühnern in einem zu engen Stall und ohne jemals Tageslicht gesehen zu haben, vollgestopft mit Antibiotika? Hier muss man doch ansetzen. Und hier unterscheidet sich der Mensch vom Tier: Der Löwe wird weiterhin die Antilope stellen, sie totbeißen und fressen (übrigens ohne sich vorher ordnungsgemäß davon zu überzeugen, dass sie wirklich tot ist), aber er hält sie nicht in einer Massentierhaltung und bis zum Zeitpunkt des Einschlags der Reißzähne in den Nacken des Opfers hatte die Antilope wahrscheinlich ein angenehmes Leben. Warum können wir unseren Tieren nicht auch zugestehen, angenehm und „artgerecht“ zu leben?

Jedem klar denkenden Menschen sollte bewusst sein, das Fressen und Gefressen werden im wahrsten Sinne des Wortes  natürlich ist. Das „wie“ ist das Entscheidende. Aber statt hierüber nachzudenken, stürzen sich alle Fraktionen lieber immer wieder in den selben Krieg der Worte mit immer wieder den selben lahmen Argumenten, Schmähungen und ignoranten Selbstgefälligkeiten.

Warum sind Menschen so? Warum muss immer der eine den anderen belehren und bekehren, statt sich auf einen tragfähigen und belastbaren Konsens zu einigen? Gibt es nur noch Volldeppen da draußen? Bricht Euch allen ein Zacken aus der Krone, wenn Ihr respektvoll mit Eurer Umwelt (Mensch UND Tier!) umgeht? Kann man nicht auch Andersdenkende akzeptieren? Langsam fühle ich mich von „Taliban“ jeglicher Couleur umgeben, jeder danach trachtend, mich entweder zu bekehren oder umzubringen. JA, ich ESSE Tiere und zweimal JA , mir missfällt absolut, wie wir Menschen mit Tieren umgehen. HIER gilt es, Lösungen zu finden. FRESSEN und GEFRESSEN WERDEN ist pure Natur, Massentierhaltung und das Kilo Schweinenacken für 2,49 EUR ist widerwärtig!